Was ist die GLEIF? Die Stiftung hinter dem globalen LEI-System

Die GLEIF, ausgeschrieben Global Legal Entity Identifier Foundation, verwaltet das globale LEI-System und veröffentlicht sämtliche LEI-Datensätze in einem offenen Index. LEIs vergibt sie nicht selbst. Akkreditierte LEI-Vergabestellen, auch Local Operating Units genannt, vergeben und verwalten die Codes. Registrierungsstellen unterstützen Rechtsträger bei der Beantragung über eine akkreditierte LEI-Vergabestelle, so auch LEI24. Gegründet wurde die Stiftung 2014 vom Finanzstabilitätsrat, sie unterliegt Schweizer Recht, und den meisten Unternehmen begegnet ihre Arbeit indirekt: über eine Vergabestelle, über die Bank oder bei der Prüfung eines Geschäftspartners.

Die GLEIF auf einen Blick

Die GLEIF wird häufig für eine Aufsichtsbehörde oder für eine Vergabestelle gehalten, ihre formalen Eckdaten zeigen, warum sie beides nicht ist.

Vollständiger Name Global Legal Entity Identifier Foundation (GLEIF)
Gegründet Juni 2014
Gegründet von Finanzstabilitätsrat (Financial Stability Board)
Rechtsform Gemeinnützige Stiftung nach Schweizer Recht
Sitz Basel, Schweiz
Aufsicht über das globale LEI-System LEI Regulatory Oversight Committee (ROC)
Schweizer Stiftungsaufsicht Eidgenössische Stiftungsaufsicht
Kernaufgaben Akkreditierung und Überwachung der LEI-Vergabestellen, Betrieb des Global LEI Index, Datenqualitätsmanagement, technische und regulatorische Infrastruktur einschließlich vLEI-Ökosystem
Vergibt die GLEIF LEIs? Nein. Das übernehmen akkreditierte LEI-Vergabestellen

Welche Aufgaben hat die GLEIF?

Die GLEIF akkreditiert die Organisationen, die LEIs vergeben, und überwacht anschließend deren Arbeit. Sie betreibt den Global LEI Index, das öffentliche Verzeichnis aller jemals vergebenen LEIs, und verantwortet das Datenqualitätsmanagement, das die Aktualität der Referenzdaten und deren Bestätigung gegenüber maßgeblichen Quellen misst. Hinzu kommt die technische und regulatorische Infrastruktur des Systems einschließlich des vLEI-Ökosystems. Den Standard selbst verantwortet die Stiftung nicht: ISO entwickelt und pflegt die ISO 17442, die GLEIF betreibt das darauf aufsetzende System.

Akkreditierung und Überwachung der LEI-Vergabestellen

Ohne Zulassung durch die GLEIF darf keine Organisation LEIs vergeben. Wer LEI-Vergabestelle werden möchte, muss nachweisen, dass Referenzdaten gegen maßgebliche Register geprüft werden, dass definierte Servicelevel eingehalten werden, dass die verwalteten Datensätze geschützt sind und dass die Meldung in den vorgeschriebenen Formaten erfolgt. Die GLEIF prüft diese Eignung je Jurisdiktion. Eine Vergabestelle ist damit für bestimmte Märkte zugelassen und nicht pauschal weltweit. Nach der Zulassung folgen laufende Berichtspflichten und regelmäßige Überprüfungen. Endet die Akkreditierung einer Vergabestelle, gehen die von ihr verwalteten Datensätze auf eine andere akkreditierte Vergabestelle über, die vergebenen Codes bleiben gültig. Rund 40 Organisationen waren im August 2026 akkreditiert. Den aktuellen Stand samt der jeweils abgedeckten Jurisdiktionen führt das Verzeichnis der akkreditierten LEI-Vergabestellen.

Datenqualität und jährliche Verlängerung

Damit ein LEI im Status ISSUED bleibt, müssen die Referenzdaten eines aktiven Rechtsträgers in der Regel mindestens einmal jährlich von der verwaltenden Vergabestelle erneut validiert werden. Geprüft werden dabei Name, Sitz und Registerangaben gegen die maßgebliche Quelle. Datensätze mit dem Status RETIRED, ANNULLED oder DUPLICATE durchlaufen diesen Zyklus nicht. Die Initiative liegt beim Rechtsträger, denn eine Vergabestelle bestätigt keine Angaben, die ihr niemand gemeldet hat. Wer eine LEI-Nummer aktualisieren muss, meldet die Änderung deshalb selbst an die verwaltende Vergabestelle, nicht an die GLEIF. Die Quartalsberichte enthalten Verlängerungsquoten und Kennzahlen zur Bestätigung der Referenzdaten. Im zweiten Quartal 2026 lag die weltweite Verlängerungsquote bei 57,1 Prozent.

Vergibt die GLEIF LEI-Nummern?

Kein Schritt der Beantragung läuft über die Stiftung. Registrierungsstellen unterstützen bei Beantragung, Verlängerung, Kommunikation und Zahlung. Die akkreditierte LEI-Vergabestelle prüft die Referenzdaten, vergibt den LEI und verwaltet den Datensatz. Wer eine LEI-Nummer beantragen möchte, wendet sich also an eine Registrierungsstelle oder direkt an eine Vergabestelle. Das Ergebnis ist in beiden Fällen derselbe Eintrag im Global LEI Index. Nach Angaben der GLEIF sind im globalen LEI-System mehr als 100 Registrierungsstellen tätig; sie unterliegen denselben Anforderungen an Integrität und Sorgfalt wie die übrigen Beteiligten.

Die Gebühren folgen derselben Aufteilung. Vergabestellen zahlen der GLEIF eine Gebühr für jeden vergebenen oder verlängerten LEI; das System ist auf Kostendeckung ausgelegt. Die Endkundenpreise legen Vergabestellen und Registrierungsstellen fest, nicht die GLEIF. Deshalb unterscheiden sich die Kosten einer LEI-Nummer zwischen Anbietern, obwohl dahinter dieselbe registrierte Kennung steht. Unsere veröffentlichten Preise beinhalten bereits die obligatorische GLEIF-Abgabe.

Die GLEIF-Datenbank: der Global LEI Index

Was im Sprachgebrauch als GLEIF-Datenbank bezeichnet wird, heißt offiziell Global LEI Index: das maßgebliche zentrale Verzeichnis aktueller und historischer LEI-Datensätze. Der Index ist offen veröffentlicht, wird täglich aktualisiert und lässt sich kostenlos durchsuchen sowie als vollständige Datei herunterladen. Die umgangssprachlichen Bezeichnungen „GLEIF Datenbank“ und „GLEIF Register“ meinen dieselbe Datenquelle. Ende des zweiten Quartals 2026 enthielt der Index über 3,1 Millionen aktive LEIs, der Gesamtbestand einschließlich der Datensätze mit dem Status RETIRED lag über 3,35 Millionen. Die GLEIF führt zusammen, was die akkreditierten Vergabestellen melden, prüft die Qualität und veröffentlicht das Ergebnis. Jeder Datensatz lässt sich damit auf die Vergabestelle zurückführen, die ihn validiert hat.

Level-1- und Level-2-Daten

Level-1-Daten beantworten die Frage, wer wer ist: eingetragener Name, Sitz, zuständige Registerbehörde und Registernummer sowie der Status des Datensatzes. Level-2-Daten beantworten die Frage, wer wem gehört, also direkte und oberste Mutterunternehmen, soweit anwendbar und verfügbar. Wird kein Mutterunternehmen offengelegt, verzeichnen die Level-2-Daten eine dokumentierte Ausnahme mit Begründung, sodass die Lücke nachvollziehbar bleibt.

Prüft Ihre Compliance-Abteilung einen neuen Geschäftspartner, liest sie beide Ebenen. Level 1 zeigt den im LEI-Datensatz geführten Namen, die Registerangaben, den Registrierungsstatus und das Datum der letzten Aktualisierung. Ob für dieses Unternehmen eine direkte oder oberste Muttergesellschaft nach den Regeln zur bilanziellen Konsolidierung gemeldet ist, zeigt Level 2. Diese Information kann Sanktions- und Bonitätsprüfungen ergänzen.

Was der Status eines LEI-Datensatzes aussagt

Drei Statuswerte begegnen Unternehmen am häufigsten. Im Datensatz stehen die englischen Originalwerte; auf unserer Website finden Sie teilweise die deutschen Bezeichnungen dazu.

Status Bedeutung Was das für Ihr Unternehmen heißt
ISSUED (ausgestellte LEI-Nummer) Der LEI ist aktiv, die Referenzdaten wurden im vorgesehenen Zyklus erneut validiert Der Datensatz ist aktuell und belastbar
LAPSED (abgelaufen) Der LEI besteht weiter, die Verlängerung ist jedoch überfällig und die Daten sind unbestätigt Der Code identifiziert den Rechtsträger weiterhin, die Angaben können veraltet sein
RETIRED Der Rechtsträger existiert nicht mehr, etwa nach Verschmelzung oder Auflösung Der Datensatz bleibt als Historie öffentlich, der Rechtsträger ist als inaktiv gekennzeichnet

Heikel ist vor allem der Status LAPSED, denn je nach anwendbarem Regelwerk kann eine überfällige LEI-Verlängerung regulatorische Folgen haben. Weitere Werte existieren für annullierte Datensätze und Dubletten. Die GLEIF-Datenbank ist der Datenbestand, ein Suchwerkzeug ist die Oberfläche darauf: Unsere LEI-Suche greift auf dieselben Referenzdaten zu wie jede andere Suche, die auf dieser Quelle aufsetzt.

Wer beaufsichtigt die GLEIF und das globale LEI-System?

Zwei getrennte Verhältnisse werden hier häufig vermischt. Das eine ist die Aufsicht über das globale LEI-System selbst, ausgeübt von öffentlichen Behörden aus vielen Ländern. Das andere ist das Schweizer Recht, dem die GLEIF als Rechtsträger unterliegt.

Das Regulatory Oversight Committee

Das LEI Regulatory Oversight Committee vereint öffentliche Behörden aus Jurisdiktionen weltweit, darunter Zentralbanken, Wertpapieraufsichten und Finanzministerien. Es beaufsichtigt das globale LEI-System und legt die Regeln fest, nach denen es arbeitet. Die Akkreditierung der Vergabestellen übernahm die GLEIF im Oktober 2015 auf Grundlage einer Absichtserklärung mit dem ROC. Davor erkannte das Komitee Vergabestellen direkt als pre-LOUs an.

Der GLEIF-Verwaltungsrat und die Eidgenössische Stiftungsaufsicht

Der Verwaltungsrat ist international und unabhängig besetzt. Seine Mitglieder bringen Erfahrung aus dem öffentlichen und dem privaten Sektor mit, ohne von diesen Sektoren entsandt zu werden. Die GLEIF hat weder Aktionäre noch Mitglieder. Eine Schweizer Stiftung ist ein gewidmetes Vermögen mit festgelegtem Zweck und kein Unternehmen mit Eigentümern. Die Eidgenössische Stiftungsaufsicht überwacht entsprechend, ob die Stiftung im Rahmen dieses Zwecks handelt und ihre Mittel ordnungsgemäß verwendet.

Warum wurde die GLEIF gegründet?

Der Finanzstabilitätsrat gründete die GLEIF im Juni 2014, auf Grundlage des von den G20 unterstützten Rahmenwerks nach der Finanzkrise von 2008. Aufsichtsbehörden konnten bei der Aufarbeitung großer grenzüberschreitender Institute nicht zuverlässig feststellen, welcher Rechtsträger hinter einer Transaktion stand. Dasselbe Unternehmen erschien in verschiedenen Systemen unter verschiedenen Namen, Tochtergesellschaften waren von Mutterunternehmen kaum zu unterscheiden, und Risikopositionen ließen sich über Ländergrenzen hinweg nur mit aufwendigem manuellem Abgleich zusammenführen. Eine einmal vergebene und überall anerkannte Kennung löste dieses Problem; für den laufenden Betrieb brauchte es eine dauerhafte Organisation.

Die Kennung selbst ist ein 20-stelliger alphanumerischer Code nach ISO 17442, eindeutig einem Rechtsträger zugeordnet und nie erneut vergeben. Diese feste Struktur macht eine LEI-Nummer zu einem dauerhaften Bezugspunkt über Register und Meldesysteme hinweg.

Was die GLEIF für deutsche Unternehmen bedeutet

Ein deutsches Unternehmen benötigt einen LEI wegen einer Vorschrift, die an anderer Stelle entsteht. Solche Pflichten ergeben sich unter anderem aus MiFIR, EMIR und den dazugehörigen technischen Vorschriften. Die BaFin überwacht ihre Einhaltung in Deutschland, soweit sie als zuständige Behörde verantwortlich ist. Die GLEIF begründet keine dieser Pflichten. Wer eine LEI-Nummer braucht, ergibt sich aus der Tätigkeit des Unternehmens und den darauf anwendbaren Vorschriften.

Praktisch relevant wird die Stiftung bei der Überprüfung. Der Global LEI Index ist die maßgebliche Quelle, gegen die eine Kennung aufgelöst wird, unabhängig davon, ob ein Institut direkt dort abfragt, mit der täglichen Datei arbeitet oder einen Datenanbieter mit eigener Kopie nutzt. Für meldepflichtige Geschäfte nach Artikel 26 MiFIR gilt: Verfügt ein Kunde, der für einen LEI berechtigt ist, über keinen LEI, darf das Wertpapierdienstleistungsunternehmen das betreffende meldepflichtige Geschäft für ihn nicht ausführen. Auch für die Meldung von Derivategeschäften schreiben die technischen Standards zu EMIR den LEI als Identifikationsart vor. Der LEI gehört damit fest zum regulatorischen Reporting und ist keine einmalige Registrierung. Entsprechend hoch ist die Beteiligung: In Deutschland lag die Verlängerungsquote im zweiten Quartal 2026 bei 74,4 Prozent und damit deutlich über dem weltweiten Wert.

Die GLEIF und das vLEI-Ökosystem

Der kryptografisch verifizierbare LEI (vLEI) ist die digitale, verifizierbare Entsprechung des LEI: ein digitaler Nachweis, mit dem sich die Identität eines Rechtsträgers sowie die Identität, Befugnis und Rolle von Personen, die für ihn handeln, automatisiert überprüfen lassen. Die GLEIF steuert das Ökosystem über ihr vLEI Ecosystem Governance Framework, qualifiziert die Organisationen, die vLEI-Nachweise ausgeben dürfen, und betreibt den Vertrauensanker, auf den die Nachweiskette zurückführt.

Der Aufbau steht am Anfang. Im August 2026 waren acht Organisationen als qualifizierte vLEI-Vergabestellen (QVIs) gelistet, und die Nachweise kommen in Pilotprojekten und einzelnen regulierten Abläufen zum Einsatz, nicht im gesamten LEI-Bestand.

Häufige Fragen zur GLEIF

Ist die GLEIF eine Behörde?

Nein. Die GLEIF ist eine gemeinnützige Stiftung nach Schweizer Recht, gegründet vom Finanzstabilitätsrat und beaufsichtigt von einem Gremium öffentlicher Behörden. Einer einzelnen Regierung untersteht sie nicht.

Kann ein Unternehmen jede von der GLEIF akkreditierte Vergabestelle wählen?

Ein Rechtsträger kann jede Vergabestelle nutzen, die für seine Jurisdiktion akkreditiert ist, unabhängig vom Sitz der Vergabestelle. Die Zulassung erfolgt je Markt, die Abdeckung unterscheidet sich entsprechend.

An wen wende ich mich, wenn meine LEI-Daten falsch sind?

Zuständig ist die verwaltende Vergabestelle, denn sie hält und korrigiert die Referenzdaten. Zusätzlich kann jeder Datennutzer bei der GLEIF eine Überprüfung von LEI-Daten anstoßen.

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