Was ist eine ISIN? Der Unterschied zwischen ISIN und LEI

Desk display comparing an ISIN, labelled Financial Instrument, with an LEI, labelled Legal Entity

Eine ISIN-Nummer ist eine zwölfstellige Kennung nach ISO 6166, die ein einzelnes Finanzinstrument eindeutig bezeichnet. Die Abkürzung steht für International Securities Identification Number, auf Deutsch internationale Wertpapierkennnummer. Entscheidend ist, woran sie hängt: Die ISIN identifiziert das Wertpapier selbst, nicht den Rechtsträger, der es begeben hat. Für den Rechtsträger gibt es eine eigene, zwanzigstellige Kennung, den Legal Entity Identifier (LEI). Registrierungsstellen wie LEI24 unterstützen Rechtsträger bei dessen Beantragung, während die ISIN über die zuständige Nummerierungsagentur läuft. Eine ISIN tragen unter anderem Aktien, Anleihen, Fondsanteile, Zertifikate und Derivate.

Was kennzeichnet eine ISIN?

Die Kennung hängt am einzelnen Instrument: an einer Aktiengattung, an einer bestimmten Anleiheemission, an einer Anteilklasse eines Fonds oder an einem Zertifikat. Sie bezeichnet nicht das einzelne Stück im Depot eines Anlegers. Wer ein bestehendes Wertpapier kauft, nutzt dessen vorhandene ISIN und beantragt keine neue.

Die Bedeutung der ISIN zeigt sich an einem Beispiel. Ein Unternehmen mit einer Aktiengattung und drei getrennten Anleiheemissionen hat in diesem Beispiel vier ISINs. Jede Kennung gehört zu einem Instrument. Eine ISIN auf Unternehmensebene gibt es nicht.

Für den Lebenszyklus gilt: Eine ISIN muss nicht jährlich verlängert werden, und als Grundregel wird sie nicht an ein anderes Instrument neu vergeben. Mit Rückzahlung oder Löschung endet das aktive Leben des Instruments, und bestimmte Kapitalmaßnahmen erfordern eine neue Kennung. Ob eine Maßnahme die ISIN unberührt lässt, hängt vom Einzelfall ab. Split, Dividende und Namensänderung wirken sich nicht gleich aus.

Wofür wird die ISIN verwendet?

Banken, Handelsplätze und Marktinfrastruktur brauchen eine eindeutige Referenz auf das Instrument, das sie gerade verarbeiten. Die ISIN liefert sie über den gesamten Bearbeitungsweg:

  • Ordererfassung
  • Geschäftsbestätigung
  • Clearing
  • Abwicklung
  • Verwahrdaten
  • Abstimmung von Beständen und Geschäften
  • Fonds- und Portfolioberichte

Bezeichnungen und Tickersymbole unterscheiden sich zwischen Systemen, Datenanbietern und Handelsplätzen. Dieselbe Anleihe kann im System der Bank anders heißen als beim Verwahrer, und derselbe Fonds kann auf zwei Plattformen unterschiedlich geführt sein. Weil die Kennung dieselbe bleibt, lassen sich die Datensätze trotzdem zusammenführen. Aus dieser Zuordnungsfunktion erklärt sich, warum die ISIN in Abrechnungen, Depotauszügen und Berichten regelmäßig neben dem Wertpapiernamen steht.

Aufbau einer ISIN: So setzt sich der Code zusammen

Die zwölf Stellen verteilen sich auf drei Bestandteile.

Bestandteil Länge Inhalt
Präfix 2 Buchstaben Ein Ländercode nach ISO 3166 oder ein anderes nach den Vergaberegeln zulässiges Präfix
Nationale Kennnummer 9 Stellen Die nationale Kennnummer des Instruments, bei Bedarf mit führenden Nullen aufgefüllt
Prüfziffer 1 Ziffer Eine berechnete Ziffer, die viele Eingabe- und Übertragungsfehler erkennbar macht

Das Präfix bezeichnet nicht die Börse, an der das Instrument gehandelt wird. Bei Nicht-Schuldtiteln richtet es sich in der Regel nach dem Sitzland des Emittenten, bei Schuldtiteln dagegen nach den Vergaberegeln für die zuständige Jurisdiktion, ergänzt um Sonderpräfixe wie XS für international hinterlegte Emissionen. Ein Wertpapier eines deutschen Unternehmens beginnt deshalb nicht zwangsläufig mit DE.

Die letzte Stelle ist eine Prüfziffer. Eine formal gültige Prüfziffer belegt weder, dass die ISIN offiziell vergeben wurde, noch dass der Datensatz aktiv ist, noch dass hinter der Kennung ein seriöses Investment steht.

Ein vertretbares Wertpapier behält seine ISIN über die Handelsplätze hinweg, während Tickersymbole und marktspezifische Kennungen variieren. Für Optionen, Futures und Rohstoffe gelten nach den Vergaberegeln der ANNA marktspezifische Grundsätze, sodass dieser Grundsatz dort nicht unverändert gilt.

WKN und ISIN: Wie die Wertpapierkennnummer in der ISIN steckt

Die WKN ist die sechsstellige deutsche Wertpapierkennnummer. In der Standardstruktur einer DE-ISIN steht sie an den Stellen 6 bis 11: davor das Präfix DE und drei Nullen, danach die Prüfziffer der ISIN.

Wertpapier WKN ISIN Aufbau
SAP-Stammaktie 716460 DE0007164600 DE + 000 + 716460 + 0
BASF-Aktie BASF11 DE000BASF111 DE + 000 + BASF11 + 1

Die beiden Beispiele zeigen die numerische und die alphanumerische Form. Buchstaben sind in der WKN seit 2003 zugelassen, bestehende rein numerische Kennnummern bleiben gültig. Die Buchstaben I und O sind ausgeschlossen, um Verwechslungen mit den Ziffern 1 und 0 zu vermeiden. Die Prüfziffer am Ende der ISIN gehört nicht zur sechsstelligen WKN.

WKN und ISIN stehen in Deutschland nebeneinander: Die ISIN ist der internationale Standard, die WKN bleibt in Kursinformationen, Ordersystemen und Depotauszügen in Gebrauch. Sie ist damit weder überholt noch in jeder ausländischen ISIN enthalten.

ISIN und LEI: Wo liegt der Unterschied?

Die ISIN kennzeichnet das Finanzinstrument, der LEI den Rechtsträger. Dieser Rechtsträger kann der Emittent sein, ebenso ein handelndes Institut oder ein anderer Beteiligter, der in einer Meldung identifiziert wird.

Vergleich ISIN LEI
Was gekennzeichnet wird Ein Finanzinstrument, etwa eine Aktiengattung oder eine Anleiheemission Ein Rechtsträger, etwa ein Unternehmen, das Wertpapiere begibt oder handelt
Standard ISO 6166 ISO 17442
Länge 12 Stellen 20 Stellen
Wer vergibt Die zuständige Nummerierungsagentur, in Deutschland WM Datenservice, für OTC-Derivate im jeweiligen Zuständigkeitsbereich die DSB Eine von der GLEIF akkreditierte LEI-Vergabestelle, direkt oder mit Unterstützung einer Registrierungsstelle
Wann Ihr Unternehmen sie braucht Wenn Sie die Emission von Aktien, Anleihen oder eines anderen Instruments vorbereiten, das eine ISIN benötigt Wenn Sie Geschäfte abschließen oder Meldungen abgeben, die einen LEI verlangen, sowie zur Emittentenidentifikation in bestimmten Vergabeverfahren
Kosten Es gelten die aktuellen Konditionen der zuständigen Nummerierungsagentur; WM Datenservice erhebt derzeit kein Entgelt für die Standardvergabe, einzelne Sonderleistungen sind kostenpflichtig Registrierungs- und Verlängerungsgebühren hängen von Anbieter und Leistungsumfang ab
Verlängerung und Status Keine jährliche Verlängerung. Über den aktiven Status entscheiden der Lebenszyklus des Instruments und Kapitalmaßnahmen Die Referenzdaten werden jährlich neu validiert. Ohne Verlängerung wechselt der Registrierungsstatus auf LAPSED, die Kennung selbst bleibt bestehen

Der praktische Unterschied liegt in der Pflege: Die ISIN wird nach der Vergabe nicht turnusmäßig bestätigt, die LEI-Nummer dagegen lebt von jährlich validierten Referenzdaten zum Rechtsträger. Daraus folgt nicht, dass jedes Unternehmen beide Kennungen braucht.

Warum beide Codes in derselben Meldung stehen

In einer Transaktionsmeldung nach Artikel 26 MiFIR wird das Instrument über seine ISIN identifiziert. Das ausführende Wertpapierdienstleistungsunternehmen wird über seinen LEI identifiziert. Bei Käufern und Verkäufern, die Rechtsträger sind, ist grundsätzlich ebenfalls der LEI maßgeblich; RTS 22 sieht für bestimmte Handelsplatz-Konstellationen Ausnahmen vor. Für natürliche Personen sind stattdessen die vorgeschriebenen persönlichen Kennungen zu verwenden.

Die Anforderungen ergeben sich aus der MiFIR und den zugehörigen technischen Regelungen; in Deutschland nimmt die BaFin im Rahmen ihrer Zuständigkeit die Meldungen entgegen.

Davon zu trennen ist die Derivateberichterstattung nach EMIR, deren Meldeanforderungen die ESMA veröffentlicht. Sie folgt eigenen Feldern und Fristen, und nicht jedes gemeldete Derivat wird über eine ISIN identifiziert. Was sich mit EMIR Refit an den Meldefeldern geändert hat, betrifft daher einen anderen Meldeweg als die MiFIR-Transaktionsmeldung.

In beiden Fällen erfüllen die Kennungen unterschiedliche Aufgaben innerhalb desselben Meldeprozesses. Die eine bezeichnet das Instrument, die andere den Rechtsträger. Keine ersetzt die andere.

ISIN-zu-LEI-Mapping

Im April 2019 führten die GLEIF und die ANNA die ersten täglichen, frei zugänglichen Verknüpfungsdateien ein, die ISINs mit dem LEI des emittierenden Rechtsträgers verbinden.

Der Abdeckungsgrad ist dabei klar begrenzt. Die GLEIF beschreibt die Dateien als Bestand neu vergebener ISINs teilnehmender Nummerierungsagenturen; die Ausweitung auf ältere ISINs ist als längerfristiges Ziel benannt. Vollständig sind die Dateien damit nicht.

Praktisch nützlich sind sie dort, wo mehrere Instrumente auf denselben Emittenten zurückgehen und das Exposure zusammengeführt werden soll. Für eine Betrachtung auf Konzernebene braucht es zusätzlich die Beziehungsdaten zwischen Rechtsträgern, denn die Verknüpfungsdatei allein zeichnet kein vollständiges Bild einer Unternehmensgruppe. Über die LEI-Suche lässt sich anschließend prüfen, welchen Status der Datensatz des Emittenten aktuell hat.

Wer vergibt ISINs in Deutschland?

Wer eine ISIN-Nummer für eine deutsche Emission benötigt, kommt an einer Stelle nicht vorbei: WM Datenservice ist die nationale Nummerierungsagentur für Deutschland und der offizielle Weg zur Vergabe von WKN und DE-ISIN. Die ANNA ist Registrierungsstelle für die ISO 6166 und koordiniert das Zusammenspiel der Nummerierungsagenturen; sie tritt nicht an die Stelle von WM Datenservice.

Für deutsche Emittenten hat das eine konkrete Folge im Antrag: WM Datenservice führt eine gültige LEI-Nummer unter den erforderlichen Angaben für die Vergabe von WKN und DE-ISIN, sowohl bei den Anforderungen für Aktien als auch bei den Anforderungen für inländische Rentenwerte, jeweils neben HRB-Auszug, Satzung oder Emissionsbedingungen und den postalischen Daten. Das gilt für diese Anträge und ist keine allgemeine Regel für alle Instrumentarten.

WM Datenservice erhebt derzeit kein Entgelt für die Standardvergabe von ISINs; für nicht standardisierte Leistungen können jedoch Gebühren anfallen. Die ANNA weist darauf hin, dass gültige ISINs ausschließlich von den offiziellen Nummerierungsagenturen stammen.

LEI24 vergibt keine ISINs. Anträge laufen über den offiziellen Weg bei WM Datenservice.

Die Rollenverteilung ähnelt der auf der LEI-Seite: Die ANNA koordiniert den Rahmen für die Nummerierungsagenturen, während die GLEIF das globale LEI-System und die akkreditierten Vergabestellen betreut.

Braucht Ihr Unternehmen eine ISIN, einen LEI oder beides?

Eine Gründung allein löst keinen ISIN-Bedarf aus. Wer eine Emission vorbereitet, klärt die dafür geltenden Kennzeichnungsanforderungen. Wer dagegen ein bestehendes Wertpapier kauft, nutzt dessen ISIN und beantragt keine eigene.

Die LEI-Frage entscheidet sich getrennt davon, an den jeweiligen Geschäfts-, Melde- und Identifikationsvorgaben. Es hängt also vom Einzelfall ab, wer eine LEI-Nummer braucht; bei den deutschen Anträgen für Aktien und Anleihen verlangt WM Datenservice den LEI ausdrücklich, sodass die Beantragung eines LEI dort vor der Vergabe steht. Die ISIN kennzeichnet das Instrument, der LEI den Rechtsträger. Eine ersetzt die andere nicht.

Häufige Fragen zur ISIN

Wofür steht die Abkürzung ISIN?

ISIN steht für International Securities Identification Number, auf Deutsch internationale Wertpapierkennnummer. Die Bedeutung der ISIN ist dabei eng gefasst: Die zwölfstellige Kennung bezeichnet ein einzelnes Finanzinstrument und nicht das Unternehmen, das dieses Instrument begeben hat.

Läuft eine ISIN ab?

Eine ISIN-Nummer kennt keine jährliche Verlängerungsfrist. Ihr aktiver Status hängt am Instrument: Rückzahlung, Löschung oder eine Kapitalmaßnahme mit neuer Kennung beenden die aktive Identifikation. Dauerhaft aktiv bleibt deshalb nicht jede ISIN.

Ist die ISIN dasselbe wie ein Tickersymbol?

Nein. Tickersymbole hängen vom Markt oder vom Datenanbieter ab und können sich zwischen Handelsplätzen unterscheiden, teils sogar zwischen zwei Kursseiten. Die ISIN kennzeichnet das Wertpapier nach den Vergaberegeln handelsplatzübergreifend und bleibt dabei unverändert.

Wo finde ich die ISIN eines Wertpapiers?

In Emissions- und Emittentenunterlagen, in Fonds-Factsheets, in Depot- und Brokerunterlagen sowie auf den Wertpapierseiten der Börsen. Prüfen Sie dabei die konkrete Aktiengattung oder Anleiheemission und nicht nur den Unternehmensnamen, sonst landen Sie leicht beim falschen Instrument.

Kann ein Wertpapier mehrere ISINs haben?

Ein vertretbares Wertpapier hat handelsplatzübergreifend in der Regel eine ISIN. Andere Aktiengattungen, getrennte Anleiheemissionen oder Hinterlegungsscheine sind eigene Instrumente mit eigener Kennung. Nach bestimmten Kapitalmaßnahmen tritt zudem eine neue Kennung an die Stelle der bisherigen.

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